Bodyshaming vs. Bodypositivity

Im letzten Beitrag ging es ja um die Frage, warum ich Blogger geworden bin. Unter anderem hatte das mit der Veränderung meines Selbstbewusstseins zu tun. Ich hab euch erklärt, dass mein Selbstbewusstsein nicht immer das war, was es jetzt ist. Wie es dazu kam?

Vor allem als Jugendliche war es sehr schwer für mich meinen Körper zu akzeptieren. Ich bin ganz klar ein emotionaler Esser. Es gibt Menschen die haben keinen Hunger, wenn sie bedrückt sind. Ich bin das Gegenteil davon. Mein Körper kennt bei Kummer und Trauer kein Hungergefühl. Stattdessen fühle ich mich mit ungesundem Essen besser. Ich vermute ihr erkennt jetzt schon den Teufelskreis in dem ich feststeckte. Und so wurde ich dicker und dicker und die Leute redeten mehr und mehr über mich. Ich fühlte mich absolut nicht wohl in meinem Körper, aber ich konnte es einfach nicht ändern.

Kinder in meinem damaligen Alter können so unfassbar grausam sein. Ich gebe den Medien die Schuld daran. Ideale von schlanken Frauen in jeder Werbung, in jeder Zeitschrift, in jeder Sendung etc.. Verschiedenste Diäten werden angepriesen, wo man auch hinschaut. Der Aufruf an dicke Menschen, abzunehmen. Zurückgegriffen wird oft auf den gesundheitlichen Aspekt. Dicke Menschen sind ungesund und krank. Fast hört man den Appell an dicke Frauen und Männer: Ihr seid nicht gut so wie ihr seid. Ihr müsst abnehmen um euch wieder wohl zu fühlen.

Und was macht man vor allem als junges Mädchen? Man glaubt das, was die Medien verbreiten. Man fühlt sich unwohl und möchte auch dem Ideal entsprechen und schlank sein. Dadurch beginnt man die eine oder andere Diät und scheitert dann womöglich daran, was einem wieder an sich zweifeln lässt. Und so wurde für mich der Begriff #bodyshaming zum Alltag.

Nun hatte ich zum Glück schon immer eine starke Persönlichkeit und konnte vieles weg stecken. Ich habe versucht meinen „unzureichenden“ Körper mit anderen Dingen weg zu machen. Zum Beispiel mit Kleidung. Es war zu dieser Zeit nicht einfach, in meiner Größe schöne Kleidung zu finden, da die meistens Trends nur für kleinere Größen verfügbar waren. Aber ich hab das Beste daraus gemacht und es hat sich ausbezahlt. Immer öfter habe ich Komplimente für das was ich trage bekommen. Und mit den Jahren wurde es auch immer einfacher den einen oder anderen Trend umzusetzen. Ich entdeckte Onlineshops wie New Look, Asos und Forever21, welche auch Mode in Großen Größen verkauften und was soll ich sagen, es waren auf einmal tolle Schnitte, moderne Muster und aktuelle Trends in meiner Größe verfügbar. Das war für mich wie der Himmel auf Erden. Ich musste nicht mehr die eine Jeans nehmen, die mir vom Schnitt zwar nicht gefällt aber die passt. Ich hatte endlich eine AUSWAHL an schönen Teilen vor mir. Und so begann meine Passion zu Mode. Ich stand vor dem Spiegel und konnte für mich entscheiden, welcher Hosenschnitt mir am besten steht. Und langsam aber sicher entwickelte sich ein Körperempfinden. Allein durch den Gedanken: „Ja diese Hose sitzt gut“. Ich begann mich in meinem Körper wohl zu fühlen und konnte das durch meine Kleidung auch ausdrücken. Die Kommentare Anderer hörte ich zwar aber sie gingen an mir vorbei, sie interessierten mich nicht mehr.

ICH AKZEPTIERE UND LIEBE MICH WIE ICH BIN! #bodypositivity

Aber nicht nur bei mir änderte sich das Körperempfinden. Auch in der Gesellschaft begann sich einiges zu verändern. Wirklich bewusst wurde mir das, als Ashley Graham als erste Plus-Size-Frau für die Sports Illustrated modelte. Von da an nahm alles seinen Lauf. Immer mehr Plus-Size-Models wurden in den Medien gezeigt. Mode für fülligere Frauen war nichtmehr auf einzelne Teile beschränkt. Dove veröffentlichte einige körperbejahende Kampagnen. Und zuletzt erschien auf RTL II die Sendung „Curvy Supermodel“ als Pendant zu „Germany’s next Topmodel“.

Man könnte also meinen, Bodypositivity hat sich weltweit durchgesetzt. Dennoch hat sich der Gedanke „Jeder ist schön, so wie er ist“ noch nicht überall seinen Weg durch das Bodyshaming gegraben.

Ich habe in letzter Zeit einige Fotos im Bikini veröffentlicht. Hin und wieder kamen Kommentare wie: „Wow, bist du mutig“ oder „Ich würde mich das nicht trauen“. Nichts für ungut Ladies, ich freue mich über jeden einzelnen eurer Kommentare. Aber wieso ist es mutig, sich als Plus-Size-Frau im Bikini zu zeigen? Es sollte völlig normal sein. Und genau diese Kleinigkeit fehlt noch, um allen kurvigen Frauen und Männern da draußen zu zeigen, dass jeder schön ist, so wie er ist. Deswegen appelliere ich an euch treue Leser, hört auf, euch für euren Körper zu schämen! Schönheit kennt keine Kleidergröße! Erst wenn jeder einzelne das versteht, wird es irgendwann die Gesellschaft verstehen. Ich hab es mittlerweile, nach einem langen Weg der Selbstzweifel und des Selbsthasses, verstanden. Lasst uns zusammen den Weg zur Selbstliebe so kurz wie möglich machen!

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